Durchhalten! Durchhalten?

Was heißt das eigentlich genau? Und vor allem: warum?

Zur Zeit sind die Medien voll von Kommentaren, Meinungen und Artikeln,
die mit einer nicht zu verkennenden Vehemenz das „Durchhalten“
propagieren.
Es bezieht sich dabei immer auf die aktuelle Corona-Krise.
So weit so gut.
Aber warum wird dies so häufig ausgerufen? Meinen alle das selbe?
Und wenn nicht, was dann genau?
Denn durchhalten allein um des Durchhaltens Willen wäre ja ziemlich
sinnfrei.
Somit lässt sich bei allen Ausführungen dazu immer eine gewisse
Motivation,
ein konkreter (Hinter-) Grund vermuten.

Da sich mir dieser bisher nicht immer wirklich erschließt, möchte ich
dazu
ein paar Fragen formulieren:
- Durchhalten, um die Krise mit möglichst wenigen Opfern zu überstehen?
- Durchhalten, damit in dieser Zeit möglichst alle versorgt werden
können?
- Durchhalten, um uns nicht selbst ändern zu müssen?
- Durchhalten, damit wir uns nicht mit Neuem auseinandersetzen müssen?
- Durchhalten, weil wir so erzogen wurden und alle es tun?
- Durchhalten, weil andere es von uns erwarten?
- Durchhalten, um da weiter zu machen, wo wir vor Corona waren?

Vorausgesetzt, es ist die Essenz der Fragen, die sich aus „Durchhalten!“
ergeben, möchte ich zwei dieser Fragen gerne direkt mit „Ja“ beantworten:
Ja, durchhalten, damit die Zahl der Kranken/Toten möglichst gering
bleibt.
Ja, durchhalten, um eine möglichst umfassende Versorgung aller zu
gewährleisten.
Dann hört es aber auch schon auf.

Nein, kein Durchhalten, damit wir uns nicht selbst ändern müssen:
wann werden unsere befremdlichen persönlichen Wesenszüge
gesellschaftlich deutlicher, wann wird unser egoistisches oder
narzisstisches Verhalten
klarer gespiegelt, wann werden unsere eigenen Schwächen sichtbarer,
als in unserem Verhalten jetzt, in dieser Krise?

Nein, kein Durchhalten, damit wir uns Neuem verweigern können:
zu welchen Unarten das Festhalten an historisch erledigten Ansätzen wie
Nationalismus, Patriarchat oder Militarismus führt, zeigt uns seit schon
viel zu langer Zeit als klaffendes Beispiel die AfD.

Nein, kein Durchhalten, weil wir so erzogen wurden, es alle tun oder
andere es von uns erwarten: dies ist keine Option für Menschen mit
freiheitlichem, liberalem und basisdemokratischem Selbstverständnis.

Und nein, kein Durchhalten, damit wir einfach da weiter machen können,
wo wir vor der Krise gestanden haben: dafür zeigen sich genau jetzt die
zu häufigen gravierenden Missstände in unserem System. Angefangen bei
sozialen Ungerechtigkeiten in Versorgung und Bildung, über Umweltschutz,
gefolgt von schlechtem ÖPNV und dem Mietpreisdesaster, bis hin zur
Unterbezahlung und Geringschätzung der systemrelevanten
Niedriglohnberufe und -tätigkeiten.
Wann wird all dies deutlicher als jetzt?

Die Virus-Krise bietet viele Chancen.
Lasst sie uns nutzen.
Dafür treten wir an.

Christian Schwakenberg für

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